Nach der Corona-Pandemie war die Zahl der Straftaten in Mecklenburg-Vorpommern gestiegen. Der Trend scheint nun gebrochen. Doch hatten auch Gesetzesänderungen Einfluss auf die Statistik.
In Mecklenburg-Vorpommern geht die Zahl der registrierten Straftaten wieder zurück und die Ermittler haben bei der Tätersuche immer häufiger Erfolg. „Nach dem Anstieg der Kriminalität in den Jahren nach der Pandemie haben wir nun eine positive Entwicklung. Das verdanken wir vor allem dem unermüdlichen Einsatz unserer Polizei, die rund um die Uhr für die Sicherheit unserer Bürgerinnen und Bürger sorgt“, sagte Innenminister Christian Pegel (SPD) in Schwerin bei der Vorstellung der Landeskriminalstatistik für 2024.
Demnach wurden im Vorjahr in Mecklenburg-Vorpommern insgesamt 108.544 Straftaten registriert. Das waren 3.027 weniger als 2023. Doch wurde der bisherige Tiefstwert von 2021, als die Statistik 104.452 Fälle auswies, noch nicht wieder erreicht. „Das war ein Jahr mit vielen Lockdowns und einer sehr geringen Kriminalitätsbelastung“, erklärte Pegel. Die Aufklärungsquote stieg innerhalb eines Jahres von 62,8 auf 64,4 Prozent im Jahr 2024 und liegt laut Minister damit weiterhin über dem Bundesdurchschnitt.
Nach den Worten Pegels beeinflussten zwei Bereiche die Statistik im Vorjahr besonders. So sei die Zahl der Rauschgiftdelikte infolge des geänderten Cannabisgesetzes von 8.000 auf etwa 5.300 gesunken. Gleichzeitig habe durch die verstärkten Kontrollen der Bundespolizei an der Grenze zu Polen die Zahl der festgestellten Verstöße gegen das Aufenthalts-, das Asyl- und das Freizügigkeitsgesetz um etwa 2.000 auf gut 6.000 zugenommen. Nicht von der Statistik erfasst wurden Fälle von Internetkriminalität und Kinderpornografie, bei denen die Täter im Ausland saßen.
Mehr Fälle von Mord und Totschlag
Die Straftaten gegen das Leben, wozu Totschlag und Mord, aber auch fahrlässige Tötung etwa bei Unfällen gerechnet werden, stieg im Vergleich zum Jahr 2023 um zehn auf 47 an. Nach Angaben Pegels handelte es sich in der großen Mehrzahl der Fälle um Tatversuche. Vier Menschen seien durch Totschlag, drei weitere durch Mord ums Leben gekommen. Die Aufklärungsquote in diesem Deliktbereich insgesamt betrug 87,2 Prozent. Die 34 Fälle von Mord und Totschlag samt Versuchen seien zu 100 Prozent aufgeklärt worden.
Rohheitsdelikte nahmen leicht zu
Bei Rohheitsdelikten und Straftaten gegen die persönliche Freiheit registrierte die Polizei eine leichte Zunahme um 2,2 Prozent auf 20.033 Fälle. Besonders stark nahmen dabei Bedrohungen zu. „Die Zündschnur wird vielfach kürzer. Wir erleben mehr Aggressivität“, sagte Pegel. Auch Körperverletzungen hätten zugenommen.
Laut Statistik wurden im vergangenen Jahr landesweit 5.000 Fälle von häuslicher Gewalt erfasst. Zwei Drittel der Fälle seien mit Körperverletzungen einhergegangen. In 14 Fällen habe Tötungsabsicht bestanden, vier Menschen seien bei Streit in der Familie ums Leben gekommen. „Wir dürfen nicht nachlassen, den Schutz vor häuslicher Gewalt zu verbessern“, betonte der Minister.
Leichter Rückgang bei Sexualdelikten
Die Zahl der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung ging nach einem kontinuierlichen Anstieg erstmals seit 2019 wieder leicht zurück, auf etwa 2.000. Die sexuellen Belästigungen nahmen laut Statistik um 13 Prozent auf 359 Fälle ab. 17 Prozent betrug der Rückgang bei sexuellen Übergriffen und Nötigungen, von denen die Polizei 205 Fälle erfasste. In weiteren 302 Fällen waren Kinder Opfer von Missbrauch, etwas weniger als im Vorjahr.
Den größten Anteil in diesem Deliktbereich machten erneut Verbreitung, Erwerb, Besitz und Herstellung kinderpornografischer Aufnahmen aus. Die Zahl der Fälle sank um sieben Prozent auf 603. Durch die sozialen Medien würden solche Straftaten für die Täter extrem vereinfacht. Auffällig sei, dass etwa die Hälfte der Tatverdächtigen jünger als 18 Jahre sei. „Oft werden solche Dinge ganz naiv untereinander auf den Schulhof geteilt“, sagte Pegel. Er appellierte an die Eltern, ihre Kinder über die Gefahren im digitalen Raum aufzuklären. Besitz und Weitergabe solcher Inhalte seien kein Kavaliersdelikt.
Weniger Diebstähle
Die Zahl der registrierten Diebstahlsdelikte sank insgesamt um 8,5 Prozent auf 29.206 Fälle. Besonders stark war der Rückgang bei Ladendiebstählen, deren Zahl um fast 12 Prozent auf 6.632 Fälle sank. Auch die Zahl der Fahrraddiebstähle ging zurück. Da aber vermehrt teure E-Bikes entwendet worden seien, habe sich die Schadenssumme bei den Zweirädern erhöht. Insgesamt richteten Diebe im Vorjahr in MV einen Schaden von 34,4 Millionen Euro an.